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Welches sonst – das Alternative Genre startet die wirkliche Musik-Revolution

This is my site Written by Bjoern Negelmann on 26. Januar 2008 – 08:09

Am Mittwoch ging ja die Nachricht von LastFM’s “Free Music” Aktion um die Welt, die meines Erachtens nicht wirklich “revolutionär” ist, da hier zwar Musik in voller Länge über einen Flash-Player abgespielt werden kann, aber unbegrenzt auch nur über ein Subscription-Modell verfügbar ist. Sprich der interessierte Hörer zahlt und ist in seiner Nutzung auf die Möglichkeiten des Last.FM-Netzwerkes begrenzt bzw. kann es nur online über den speziellen Flash-Player hören. Das Modell unterstützt nicht das “dezentralisierte” Nutzungsverhalten der Kunden – denn wir leben in einer Welt der austauschbaren Endgeräte und des Strebens nach ubiquitären Konsums von digitalen Produkten. Letztendlich erhalte ich bei iTunes für das bezahlte Nutzrecht doch mehr Freiheiten als bei Last.FM!

Die wirkliche Revolution kann aber IMHO auch nicht auf der Seite der Mittelsmänner (nichts anderes sind Last.FM als auch iTunes oder aber auch die Labels!) anfangen, sondern nur beim Produzenten. Und dies nicht bei den Kleinen (denn die vertreiben ihre Musik mangels eines Plattenvertrages ja eh schon direkt!), sondern bei denen, die eine gewisse Bedeutung für den Markt haben – so z.B. wie die Gruppe “Radiohead”, die im Oktober letzten Jahres mit EMI gebrochen und dann einen Wandel eingeleitet hat. Zur Veröffentlichung ihres aktuellen Albums “In Rainbows” bot die Gruppe das Album zum Download auf ihrer Seite an – vollständig und ohne DRM, aber mit einem Reverse-Pricing-Model (siehe Mashable-Beitrag). Sprich der Musikinteressent konnte das komplette Album direkt auf der Radiohead-Homepage beziehen und bezahlte einen Preis, der es ihm Wert war – dabei wurde ein Minimum von 1 Pence (plus Kreditkarten-Gebühren) verlangt. Ich schreibe hier in der Vergangenheit, denn der Download war zeitbegrenzt bis zum 10.Dezember verfügbar (siehe Beitrag am 05.Dez. im Radiohead-Blog) – sprich die Reverse-Pricing-Idee bei Radiohead war weniger ein langfristiges Geschäftsmodell als vielmehr eine Promotion-Aktion zur Einführung – denn seit dem 31.12. ist es regulär zum Fixed-Price zu erstehen. Aber auch hier – nicht mehr als CD, sondern nur als Vinyl für den Sammler oder als Download. Der Vertrieb erfolgt dabei nach dem Bruch mit EMI mit zwei kleineren Labels.

Nachahmung fand die Radiohead-Aktion dann auch gleich im November bei Saul Williams (wieder via Mashable) – der sein Album “The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust” für die ersten 100.000 Downloads kostenlos anbot und in der Folge den Preis für das Album auf fünf US-Dollar im Direktbezug über die Website verfügbar gemacht hat (siehe Notiz auf Website).

Und nun kommen The Charlatans, die – wie Mashable wieder einmal berichtet – auch eine “Radiohead-Karte ziehen”. Auch hier wird nun ein kostenloser Download des kompletten Albums in Aussicht gestellt. Dessen Veröffentlichung am 05. März mit zwei kostenlosen Single-Download-Veröffentlichung promotet wird. Hinter dieser Aktion steht wiederum ein bekannter Produzent – Alan Moulder, der Bands wie Nine Inch Nails, The Smashing Pumpkins und The Jesus and Mary Chain produziert. Immer mehr experimentieren also derzeit auch große Namen im Musikgeschäft mit alternativen Geschäftskonzepten.

Ein großer Name in diesem Zusammenhang ist auch Peter Gabriel, der am morgigen Sonntag als “Personality of the Year” beim internationalen Musikbranchen-Kongress Midem in Cannes ausgezeichnet wird. Die Auszeichnung (hier ein Hintergrundbericht) erhält er dabei sowohl für sein musikalisches Lebenswerk als auch für sein humanitäres Engagement wie auch seine Branchenverdienste mit seinem ehemaligen Dienst On-Demand-Distribution und seinem neuen Dienst WE7, einem Werbe-refinanzierten Musikdienst. Und auch das Thema “disruptive strategies” wird auf der Midem diskutiert – seit drei oder vier Jahren gibt es für das Online-Musikbusiness dabei auch die Spezialkonferenz MidemNet, auf der die aktuellen Trends und Entwicklungen zu diesem Thema diskutiert werden. Einige Berichte zur MidemNet finden sich im Event-Blog der Marktanalysefirma MarketCluster, die Analysen zum Musikmarkt machen und hier ein Wachstum von 38% für das Online-Musikgeschäft in 2007 ermitteln konnten. Sie sehen dort wiederum als Erfolgsmodell das Subscription-Modell, welchem aber von Ted Cohen im MidemNet-Blog widersprochen wird: “Regarding Rental Subscriptions – I respectfully Disagree!!”

Die Musikbranche steht also im Wandel – hat aber noch einen langen Weg vor sich. Und dies wird deutlich, wenn man die Ausführungen von Seth Mnookin über Doug Morris, Chef der Universal Music Group, im Wired liest:

So how is it that an old-school music mogul who can barely hide his indifference to technology or his contempt for the download-loving public is out front on so many digital initiatives? Clearly, it’s not because he wants to improve the music experience for consumers. It’s also not because he finally understands that MP3s are fundamentally changing his business, whether he likes it or not. And if he’s “invigorated and challenged by the opportunities of digital music,” as Caraeff puts it, that’s only because he relishes a fight. In truth, his motive is simple: He wants to wring every dollar he can out of anyone who goes anywhere near his catalog.

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