N:Sight Research GmbH

Auf dem Weg zum Web als Betriebssystem

This is my site Written by Bjoern Negelmann on 28. August 2011 – 16:15

Im Zuge meiner Funktion als Programmverantwortliche für die eigenen und Partner-Veranstaltungen von Kongress Media darf ich mich jährlich ab dem Q3 auch immer mit den globalen Web-Trends beschäftigen. Denn wir verantworten mit Kongress Media das Konferenzprogramm der Themenplattform “Webciety” auf der CeBIT in Hannover. Dies ist für uns in zweierlei Hinsicht ein “Mega”-Projekt: einerseits aufgrund der inhaltlichen Ansprüche der vielfältigen Zielgruppen, die während der Woche zu bedienen sind, und zum Anderen aufgrund der zu koordinieren Programmteilnehmer (wir haben im Schnitt um die 120-140 Personen als Referenten, Diskutanten oder Moderatoren).

Daher ist es klar, dass dieses Programm nicht im Hauruck auf die letzte Minute entsteht – zumal auch die CeBIT immer mehr auf die Themen für ihr eigenes Marketing angewiesen ist. Ab August fange ich daher in der Regel an, über das Programm des Folgejahres nachzudenken und es zu planen.

So haben wir daher über die letzten Woche das Ober- bzw. Leitthema für das kommende Jahr definiert, was uns in den Tages-Keynotes aber auch Fachdiskussionen leiten soll. Und hier soll es unter dem Titel “Designing the Web Operating System” um den Einzug des Web als technologisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Betriebssystem gehen.

Um das Thema nicht nur in “meinem” Glaskasten zu entwickeln, suche ich immer wieder Diskussionsplattformen, auf denen ich den Ansatz oder Teile davon mit Interessierten diskutieren kann. Hierzu war ich gestern z.B. auch auf dem Barcamp Hannover zu Gast und habe eine kleine Session zu dem Thema gemacht.

Leider ist mir etwas der Einstieg missglückt, da mein Rechner nicht so wollte wie ich; wir sind aber doch relativ schnell (wie es sich für ein Barcamp gehört) in eine Diskussion übergegangen, die mir noch einige interessante Themenpunkte gebracht (für die ich mich schon einmal an dieser Stelle bei den Teilnehmern bedanken möchte!).

Gerne möchte ich hier nun kurz auch meine Ideen darlegen – sowie auch das Feedback aus der Session dokumentieren:

Mit dem Thema “Designing the Web Operating System” möchten wir auf das aktuelle Verständnis vom Web aufsetzen. Mit dem dass fast 3/4 der Bevölkerung einen Online-Zugang haben und davon mehr als die Hälfte sich auch in sozialen Netzwerken (in unterschiedlicher Intensität) engagiert, ist doch festzuhalten, dass das Web in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist. Und es ist nicht nur angekommen, sondern es ist ein wichtiger Bestandteil der privaten, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozesse. Für immer mehr Produkte und Lösungsangebote ist die elektronische Vernetzung ein zentrales Element (Nike+, technische Hybrid-Geräte, Smart/Connected Living-Ansätze). Auch Geschäftsmodelle fussen auf die Möglichkeiten der Vernetzung der Stakeholder über das Web für Marketing- und Service-Angebote. Mit der Begrifflichkeit des “Social Business” wird ja versucht, die Veränderungen durch die digitale Vernetzung Unternehmen, ihren Mitarbeitern, den Partnern und den Kunden “in eine Schublade” zu packen. Gesellschaftlich verlagern sich politische Abstimmungsprozesse wie z.B. bei Online-Petitionen ins Web bzw. werden durch die sozialen Netzwerke und die viralen Momente darin “befeuert”. Technologisch kommt es zudem zur Virtualisierung von Prozessen und Ressourcen in Cloud-Technologien – hier nimmt das Web demnach ein nicht mehr wegzudenkende Position ein.

Welche Herausforderungen und welche Gestaltungsparadigmen sind zu beachten, wenn das Web, sein Personen-zentrisches Vernetzungsmodell und die allgegenwärtige digitale Anbindung genutzt werden soll? Welche Entwicklungen gibt es schon z.B. technologisch insbesondere in der Schnittstellenkoordination für die integrative Nutzung von Cloud-Technologien? Welche Geschäftsprozesse und -modelle funktionieren hier und was ist für deren Management und Koordination zu beachten – sprich z.B. wenn kollaborativen Konzepte (also Zusammenarbeitsformen auf Basis der digitalen Vernetzung) im Unternehmen bzw. mit den Partnern und Kunden im Sinne des Social Business genutzt werden sollen? Was sind die Erfolgsfaktoren der Umsetzung und wie kann kontrolliert, dass der Zugang und die Nutzung des Netzwerkes von niemanden monopolisiert bzw. so opportun genutzt wird, dass die Teilnahme anderer Player und dadurch den Wertezuwachs einseitig abschöpft und die Potentiale der Netznutzen vermindert bzw. verhindert? Tim O’Reilly, Web-Visionär und Chef des O’Reilly-Verlages, hat das Bildnis vom Internet als “Betriebssystem” bereits 2002 angebracht (siehe: http://www.oreillynet.com/pub/a/network/2002/04/09/future.html
) und in jüngster Zeit zu seinem Hauptthema gemacht. Er sieht in der Schaffung eines gewissen Ordnungsrahmens für die “Operations” die grösste Herausforderungen auf dem Weg zum Web als Betriebssystem.

Aus diesem ganzen Wust von unterschiedlichen Betrachtungszugängen und -ebenen muss ich ja für die Webciety einen strukturellen Rahmen definieren, der den Bezug zu diesen Entwicklungen herstellen kann. Im besten Fall bilden diese strukturellen Schwerpunkte dann auch immer ein Ansatzpunkt für die Suche von Keynotes bzw. herausragenden Persönlichkeiten, die das Thema transportieren können. Folgende vier “Arbeits”-Schubladen habe ich mir daher definiert:

  • Future Technology: Diskussion der Herausforderungen der Vernetzung und Interaktion/Schnittstellenkoordination von Anwendungen in der Cloud sowie die Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle (Augmented Reality, Agentensysteme etc).
  • Social Business: Diskussion zur Einführung und Umsetzung von sozial-kollaborativ erweiterten Geschäftsprozessen (Adoption, Engagement-Problem, Gamification etc für Kollaboration, E-Commerce und Marketing)
  • “Operations”: Diskussion der Erfolgsfaktoren/prozessualen Paradigmen zur Umsetzung dieser digitalen und über das Web vernetzten Geschäftsprozesse
  • “Networked Economy & Society”: Diskussion neuer Web-Modelle sowie ihre Auswirkung auf Wirtschaft (Geschäftsmodelle: Open Collaborative Service Networks, Outer Web etc) und Gesellschaft (Open Participation).

In der Session kamen noch folgende interessante Punkte auf, die zum Teil in meinen genannten Schublade nicht bzw. für die Teilnehmer zuwenig pointiert waren: (1) Diskussion der Zugangstechnologien bzw. der Mensch-Maschine-Schnittstellen, so dass niemand im privaten und professionellen Sinne ausgeschlossen wird. (2) Die Öffnung der behördlichen und politischen Systeme, um sie in das Betriebssystem einzubinden. (3) Generell die Diskussion der gesellschaftspolitischen Auswirkungen einer solchen Verlagerung ins Web. (4) Technologische Standardisierungsprojekte auf der Ebene der Koordination und des Management der Cloud-Technologien. (5) Die Hinführung zum Aufbrechen der klassischen Ordnungsstrukturen und -systeme (sprich z.B. Hierarchiestrukturen in Unternehmen und der Gesellschaft/Politik), die ein System mit “small pieces loosely joined” (http://radar.oreilly.com/2010/04/handicapping-internet-platform-wars.html) bedingt.

Ach – ja und dann braucht das Ganze auch noch stärker eine begriffliche “Erdung” – damit es überhaupt verstanden wird.

Nachfolgend habe ich mal meine Folien mit den Grundgedanken zum Themenschwerpunkt eingestellt – sowie noch ein paar Quelle gelistet. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich noch weiteres Feedback zu Themen und Referenten bekäme – denn das Web muss ja auch als Betriebssystem für die Konferenzkonzeptgestaltung funktioneren …

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Björn Negelmann verantwortet die inhaltlichen Teile der Veranstaltungsaktivitäten von Kongress Media und ist darüber hinaus auch Kopf des an Kongress Media angeschlossenen Research-Hauses N:Sight Research. Er reflektiert seine Beobachtungen über die Entwicklung der Themen sowohl in den Corporate-Blogs von Kongress Media und N:Sight als auch in den Fachblogs Enterprise Digital Blog (zum Social Collaboration & Future of Work Thema), auf Espresso-Digital.de (zum Thema Social Kommunikation & Marketing) sowie im Digital Experience Blog (zum Thema Digital Experience & die Transformation in Marketing, Vertrieb und Service). Darüber hinaus moderiert und betreut er die diversen Online-Communities und Online-Veranstaltungen von Kongress Media.

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2 Responses »

  1. […] Institutionen, Wirtschaft und Bürgern angesprochen. Björn hat kurz nach dem BarCamp einen entsprechenden Artikel auf n:sight […]
  2. […] Beitrag wurde im Original unter http://n-sight.de veröffentlicht. bn » Alle […]

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