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Jive versus Sharepoint – zwei Welten prallen aufeinander!

This is my site Written by Bjoern Negelmann on 30. September 2011 – 21:38

Ich bin gestern abend vom IOM SUMMIT zurückgekommen, auf dem wir in den letzten zwei Tagen das Zusammenwachsen der Themen Intranet, Social Networking und Dokumenten-Kollaboration diskutiert haben. Ich konnte einige neue Erfahrungswerte mitnehmen, die ich gerne hier und im Enterprise20Blog (ein erster Beitrag ist im englischen Teil zu finden!) noch weiter diskutieren möchte.

Ein spannender Teil der Veranstaltung war für mich der Live-Testing-Event im Track “Dokumenten-Kollaboration”. Hier hatte ich nach guter alter Contentmanager.Days-Manier zwei Lösungskandidaten anhand eines Projektszenarios live gegenüber stellen lassen. Im Unterschied zu den früheren Live-Testing standen diesmal allerdings keine Software-Vertreter, sondern Dienstleister auf der Bühne und präsentierten das Szenario mit jeweils dem von ihnen präferierten System. Und dabei standen sich Sharepoint (präsentiert von Johannes Platsch von der IPI GmbH) und JIVE (präsentiert von Alexander Willkomm von T-Systems MMS) gegenüber.

Das Szenario, welches abzubilden war, war wie folgt skizziert:

  • Bereitstellung von “Projekträumen” (denen Dokumenten/Contents zu geordnet werden)
  • “Projekträume” haben Benutzerzugriffskontrollen (Gruppen mit Selbstverwaltung, Rollen: mindestens einem Administrator, Kontributoren; Admins können in Teilen “Projekträume” öffentlich machen)
  • Management des Dokumenten-Lebenszyklus (Revisionskontrolle, Freigabekontrolle)
  • Projektmanagement mit Milestones zur Dokumenten-Kollaboration
  • Projektbeschreibungsseiten innerhalb des “Projektraumes”
  • Diskussion an Dokumenten (nicht in Dokumenten)
  • Benachrichtigungs- und Abonnement-Funktionen (E-Mail, RSS)
  • Empfehlungs- bzw. Freigabe/Verlinkungfunktion (per E-Mail, Social Sharing)
  • Integration der Dokumentenaktivitäten (Einstellen, Bearbeiten, Kommentieren, Empfehlen) in sozialen Aktivitätenstream

Vor diesem Szenario war es doch spannend zu sehen, wie die Grundideen der Systemansätze von JIVE und Sharepoint divergieren.

Sharepoint 2010 Jive
 Grundidee Anwendungsframework mit rudimentärer Standard-Oberfläche ( es bedarf eigentlich aber einer Oberflächen-Implementierung) Anwendungsframe mit Standard-Oberfläche
 Konzeptidee Dokumentenmanagement-System mit Publishing-Framework (für die Schaffung der Kollaborationsumgebung wie Team-Sites ect) und Social Extensions – im Kern basiert es auf einer strukturierten Dokumenten-Ablage. Social Portal, dessen Hauptidee ein Aktivitätenstream ist, in dem alle Aktivitäten der Anwender erfasst werden, die je nach Tag, Gruppen oder “Spaces”-Zuordnung geordnet sind. Gruppen (Social Groups) und “Spaces” sind die Strukturierungsmöglichkeiten der Inhalte

Im Hinblick auf die Einführungs- und Adoptionskonzepte der Systeme sehe ich da ganz deutliche Unterschiede. Während Sharepoint klassisch “ausgerollt” werden könnte (ich spreche bewusst im Konjunktiv!), braucht es bei JIVE immer eine andere Herangehensweise, da das Aktivitätenstream-Konzept und der Zugang zu den Themen für die Filtermechanismen der Gruppen und Räume einen Paradigmenwechsel zur klassischen, hierarchischen Informationsstrukturierung darstellen.

Im Hinblick auf die geforderte Intuitivität braucht es bei Sharepoint auch einer ausgereiften Umsetzung, da das System als klassisches Baukasten-System mit DM-Funktionalität in der Infrastruktur und freien Gestaltungsmöglichkeiten in der Präsentationsschicht über das Publishing-Framework zunächst einmal “implementiert” werden muss. So gibt es durchaus Funktionsbausteine (sogenannte Web Parts), die auch einen Aktivitätenstream und Social Networking-Funktionalität bereitstellen, aber immer erst als Präsentationsschichtlogik. Wenn das Projekt dieses verlangt, dann ist das Teil der Implementierung des Systems.

Dagegen sind die sozialen Interaktionsmöglichkeiten und der Aktivitätenstream bei JIVE Kernidee der Business Logik. Hier hakt es dann eher auf der Koordinationsebene des Dokumenten-Lifecycles. Dokumente werden in JIVE klassisch gesperrt (und können auch versioniert werden), aber komplexe Dokumenten-Bearbeitungsprozesse sind nicht abzubilden. Dafür bietet die Out-of-the-Box-Standardoberfläche einen intuitiven Zugang zur Software, wie man es auch den Consumer Social Networks kennt.

Es ist für mich daher nicht verwunderlich, wenn folgende Statements bei der Gegenüberstellung der beiden System geäußert werden:

We’ve integrated Jive with Sharepoint to good success.  Sharepoint is a document management system and all that means, Jive is not.  Jive is a killer social platform, Sharepoint is not.  We keep documents in Sharepoint, but collaboration happens in Jive. (Antwort von Tim Ross zu einer Quora-Frage)

Dieser krasse Unterschied wird beim Rechte- und Rollenkonzept deutlich. Während dies bei Sharepoint im Standard mehrstufig über systemeigene Gruppen (denen wieder Directory-Gruppen zugeordnet werden können) funktioniert, braucht es im JIVE hierfür die Definition der “Spaces”. Während in Sharepoint die Gruppendefinitionen Systemweit aufgesetzt sind, erfolgt die differenziert Zuordnung in JIVE im Space-Modul. Die Erklärung von JIVE zu den Unterschieden zwischen Gruppen und Spaces ist wie folt:

You’ll typically have a combination of spaces and groups on your site.  Spaces will be created by admins and will represent hierarchical/departmental topics.  Groups can be created by both users and admins around any topic of interest.  Since groups are built around membership, they make a great container for regional user group collaboration or for collaborating privately with a select set of users. (https://community.jivesoftware.com/docs/DOC-29901)

Als Fazit für mich gilt, dass die Lösungsansätze zwei durchaus unterschiedliche Systemansätze beinhalten. Dies hat für mich auch zur Folge, dass die den “FIT” der Lösungen sehr unterschiedlichen Bemessen würde. Danach ist für mich Sharepoint eher dort sinnvoll, wo Wissen intensiv in Dokumenten dokumentiert wird, die wiederum inhaltlichen Strukturobjekten (sprich wie z.B. den Projekträumen bzw. -sites in unserem Szenario) zugeordnet werden können.

Wenn der kommunikative Dialogaspekt im Vordergrund steht, dann gilt es für mich, das JIVE besser funktionieren wird als Sharepoint. Gerne lasse ich mich aber auch eines Besseren belehren und freue mich über die Diskussion.

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Björn Negelmann verantwortet die inhaltlichen Teile der Veranstaltungsaktivitäten von Kongress Media und ist darüber hinaus auch Kopf des an Kongress Media angeschlossenen Research-Hauses N:Sight Research. Er reflektiert seine Beobachtungen über die Entwicklung der Themen sowohl in den Corporate-Blogs von Kongress Media und N:Sight als auch in den Fachblogs Enterprise Digital Blog (zum Social Collaboration & Future of Work Thema), auf Espresso-Digital.de (zum Thema Social Kommunikation & Marketing) sowie im Digital Experience Blog (zum Thema Digital Experience & die Transformation in Marketing, Vertrieb und Service). Darüber hinaus moderiert und betreut er die diversen Online-Communities und Online-Veranstaltungen von Kongress Media.

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