Dieser Blogbeitrag ist eine Zusammenfassung des Webcasts mit Jon Husband vom 6. Oktober 2011. Thema des Webcasts waren die Anforderungen an das Management und das Arbeitsumfeld von Wissensarbeitern im Unternehmen.
Jon Husband ist Experte für Organisationsentwicklung und hat für sich den Begriff “Wirearchy” entwickelt, mit dem er den Zustand von vernetzten Organisation beschreibt. Seine Wahl für den Begriff “Wire-archy” begründet sich auf die Existenz der wenigen Begriffe, die auf “-archy” enden und die genau das Gegenteil von den erforderlichen Organisationsformen beschreiben: “monarchy”, “patriarchy”, “oligarchy”, “hierarchy”. Für Jon Husband steht “Wirearchy” für die veränderte Arbeitsweise, die durch die Vernetzung der Menschen getrieben wird. Jon beschreibt im Webcast diese Veränderungen und die damit verbundenen Auswirkungen:
Immer mehr Arbeitsplätze erfordern selbstgesteuertes und eigenverantwortliches Arbeiten. In den vielen Jahrzehnten seit der industriellen Revolution, hat sich die Führung von Unternehmen nach dem immer gleichen Muster abgespielt. Wenige Führungskräfte geben die Richtung vor, verteilen die Aufgaben auf Abteilungen und damit auf die Mitarbeiter und kontrollieren mit Hilfe der Führungskräfte das Ergebnis.
Seit der Einführung von Informationstechnologie und Internet entwickeln sich jedoch immer mehr Arbeitsplätze, die immer höhere Anforderungen an die Mitarbeiter stellen. Es genügt nicht mehr einfache Prozessbeschreibungen abzuarbeiten. Immer kürzere Entwicklungszyklen und ständig wechselnde Anforderungen erwarten eine höhere Flexibilität und ständige Weiterentwicklungen.
Mitarbeiter arbeiten dabei immer weniger in einer vertrauten Umgebung. Kontinuierliche Arbeitsprozesse ersetzt man immer öfter durch arbeiten in Projekten. Jedes Projekt bedeutet eine neue Zusammensetzung der Teams und immer neue Anforderungen an die Mitarbeiter. Diese müssen sich in das Team einfinden und neue Herausforderungen bewältigen. Die eigenen Kompetenzen werden immer wieder neu gefordert und durch die verschiedensten Erfahrungen weiter aufgebaut. Das eigene Wissen muss dafür ständig erweitert werden.
Wissen ist dabei die Kraft, die immer mehr Unternehmen treibt. Das Wissen ist damit die eigentliche Ressource für die Erzeugung der Produkte und Dienstleistungen.
Wissensarbeiter werden sich ihrer Rolle immer bewusster. Sie möchten sich stärker einbringen und fordern eine Beteiligung an der Gestaltung eines Unternehmens und ihrer Aufgaben. Dabei möchten sie die Zusammenhänge verstehen, die zu ihren Aufgaben führen und an den entsprechenden Entscheidungen beteiligt sein. Die neuen sozialen Tools ermöglichen einen Austausch über Bereichs- und Abteilungsgrenzen hinaus. Die Gespräche begrenzen sich nicht mehr auf die Kaffeeküche.
Die alten Formen hierarchisch gesteuerter Unternehmen passt nicht mehr zu den neuen Anforderungen. Das bisherige Schema von „Command & Control“ wird von immer mehr Mitarbeitern nicht mehr akzeptiert. Ein neues Managementmodell ist erforderlich. Die Entscheidungen verlagern sich immer mehr zum Mitarbeiter.
Dabei muss das Management immer mehr zum Moderator werden. Die Aufgaben dieser Moderation liegen laut Jon in dem Dreiklang aus “Championing”, “Channeling” und “Coordinating”. Jon belegt diese Begriffe mit folgenden Aktivitäten:
- Championing: Die von den Mitarbeitern favorisierten und mit dem Unternehmen im Einklang stehenden Ideen müssen identifiziert und gefördert werden.
- Channeling: Die richtigen Ressourcen zur Förderung von Ideen finden und zusammenführen.
- Coordinating: Die angestoßenen Ideen verfolgen und in der Umsetzung unterstützen.
Diese neuen Aufgaben sind insbesonderen für das mittlere Management relevant, deren bisherigen Aufgaben damit auch in Frage gestellt. Das führt oft zu Widerstand, der teilweise so heftig ist, dass er zur kompletten Ablehnung führt. Jon rät deshalb die Sorgen des Managements ernst zu nehmen und sie in diesem Prozess zu unterstützen, um diesen nicht zu gefährden.
Dies trifft auch auf die Mitarbeiter zu, die lernen müssen, mit dem ständigen Informationfluss umgehen zu können. Sie müssen eine Sensibilität entwickeln die richtige Information effizient herauszufiltern, die für ihre Entwicklung und die Erledigung ihrer Aufgaben relevant sind. Dabei müssen sie aber auch mal “über den Zaun” schauen, da häufig besonders wertvolle Anregungen aus Bereichen kommen, an die man vorher nicht gedacht hat. Dabei sind die Mitarbeiter genauso für die eigene Entwicklung verantwortlich, wie auch das Unternehmen.
Wichtig ist bei diesem Prozess ist auch die interne Kommunikation. Wichtig ist dabei das man offen und ehrlich kommuniziert. Jon zitiert dazu Michael Schrage vom MIT (Massachusetts Institute of Technology):
“Networks make organisational culture and politics explicit.” In anderen Worten: “Man kann nicht Lügen und man kann nichts verstecken.”
Laut Jon beschäftigen sich viele Unternehmen noch viel zu sehr mit Tools und Technologie, als mit diesem kulturellen Wandel. Dies führt zu halbherzigen Umsetzungen, die letztendlich die Anforderungen, die ja bestehen bleiben, nicht in geeigneter Form beantworten. Wobei laut Jon die passende Unternehmenskultur ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb der Unternehmen darstellt, welches zukünftig über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Unternehmen ist deshalb anzuraten die Anforderungen der Wissensarbeiter ernst zu nehmen und den passenden Rahmen für deren Arbeitsweise zu schaffen. Der demografische Wandel wird sicherlich helfen den Kulturwandel durch das Nachwachsen junger Mitarbeiter einfacher zu gestalten. Es ist aber ein wichtiger Prozess, der aber sicherlich einen längeren Zeitraum benötigt.
Blog Wirearchy von Jon Husband
Wir veröffentlichen die Zusammenfassung des Webcasts zum Start der Community in unserem Blog. Zukünftig veröffentlichen wir diese Beiträge in unserer Community Plattform.

Written by Joachim Lindner on 10. Oktober 2011 – 09:34


